BordOps Bord-Operations

Charter-Übernahme: richtig prüfen, sauber protokollieren

Veröffentlicht am 27. August 2026

Die Übernahme ist der Moment mit dem schlechtesten Timing des ganzen Törns: Die Crew will los, die Basis will Feierabend, und du sollst in einer Stunde ein Schiff beurteilen, das du noch nie gesehen hast. Genau in dieser Stunde entscheidet sich aber, ob du bei der Rückgabe über deine Kaution diskutierst — oder das Protokoll für dich sprechen lässt.

Das Prinzip: Was nicht protokolliert ist, hast du verursacht

So unfair es klingt: Ein Kratzer im Gelcoat, der bei der Übernahme nicht notiert wurde, ist bei der Rückgabe deiner. Das Übernahmeprotokoll ist deshalb kein Formular, das man abnickt, sondern deine einzige Beweisgrundlage. Unterschreibe nichts, was du nicht geprüft hast — und lass jeden gefundenen Mangel schriftlich ins Protokoll der Basis eintragen, nicht nur mündlich zusagen.

Die Reihenfolge, die sich bewährt hat

1. Außen herum: Rumpf, Deck, Rigg

Einmal ums Schiff (im Zweifel per Dinghi oder vom Steg aus): Gelcoat-Schäden an Bug, Heck und Rumpfseiten, Zustand von Badeplattform und Bugkorb. An Deck: Relingsdrähte und -stützen, Winschen (drehen sie frei?), Blöcke, Traveller, Sprayhood und Bimini auf Risse. Am Rigg ein Blick nach oben: Wanten und Fallen, sitzt die Windex? Anker und Kette komplett ausrauschen lassen — verdrehte oder zu kurze Ketten fallen sonst erst beim ersten Ankern auf.

2. Motor und Technik

Motor kalt starten (ein warmer Motor bei der Übergabe kann Startprobleme kaschieren), Kühlwasserstrahl prüfen, Ölstand und Keilriemen ansehen, Motorstunden notieren. Tankstand festhalten — „voll übergeben, voll zurück" ist der häufigste Abrechnungsstreit. Batterien und Ladeanzeige, Landstrom, Bugstrahlruder, Navigationsinstrumente, Positionslampen, Lenzpumpen (auch die manuelle), Gasanlage mit Absperrhahn.

3. Segel

Großsegel und Genua wenigstens teilweise ausrollen bzw. aufziehen: Nähte, UV-Schutzstreifen, Reffsystem. Ein Segelriss, der „schon da war", ist ohne Protokolleintrag bei der Rückgabe dein teuerstes Souvenir.

4. Sicherheitsausrüstung — zählen, nicht glauben

Rettungswesten in Anzahl und Größe (Kinder!), Lifebelts, Rettungsinsel mit gültigem Wartungsdatum, Seenotsignale mit Verfallsdatum, Feuerlöscher mit Prüfdatum, Erste-Hilfe-Kasten, Funkgerät mit Kanalcheck. Fehlt etwas, muss die Basis nachliefern — vor dem Ablegen.

5. Unter Deck und Papiere

Wassertanks voll? WC und Fäkalientank funktionsfähig (Seeventile!), Herd, Kühlbox, Bilge trocken — eine nasse Bilge bei Übernahme unbedingt notieren. Vollständigkeit laut Inventarliste stichprobenartig, nicht Löffel für Löffel. Papiere an Bord: Bootszeugnis, Versicherungsnachweis, Funklizenz, Transitlog.

Fotos: dein stärkstes Beweismittel

Fotografiere jeden gefundenen Mangel und zusätzlich systematisch: alle vier Rumpfseiten, Heck und Badeplattform, Motorraum, Tank- und Motorstundenanzeige. Smartphone-Fotos tragen Zeitstempel und Ort in den Metadaten — genau die Kombination, die eine Diskussion drei Wochen später beendet. Dieselbe Serie machst du bei der Rückgabe noch einmal.

Aus der Einmal-Aktion eine Routine machen

Wer mehrmals im Jahr chartert oder ein eigenes Schiff an wechselnde Crews gibt, sollte die Prüfpunkte nicht jedes Mal neu erfinden. In BordOps legst du die Übernahme einmal als Checkliste an — gegliedert wie oben — und arbeitest sie je Törn ab; erledigte Punkte, Notizen und Fotos hängen direkt dran. Beim eigenen Schiff ergänzen sich Checkliste und Wartungsplan: Was bei der Übernahme auffällt, wird direkt als Reparatur oder Wartungsaufgabe erfasst statt auf einem Zettel zu verschwinden.

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