Bordkasse: gemeinsame Kosten an Bord fair abrechnen
Veröffentlicht am 12. August 2026
Kaum etwas trübt die Erinnerung an einen schönen Törn so zuverlässig wie eine strittige Abrechnung danach. Dabei ist das Problem selten Geiz — es ist fehlende Klarheit: Was zahlt die Bordkasse, was zahlt der Eigner, was zahlt jeder selbst? Wer diese drei Fragen vor dem Ablegen beantwortet, hat den Streit schon vermieden.
Was gehört in die Bordkasse — und was nicht?
Bewährt hat sich eine einfache Dreiteilung. In die Bordkasse gehören die Kosten, die durch den gemeinsamen Betrieb entstehen: Diesel, Hafen- und Liegegebühren, Kurtaxe, gemeinsamer Proviant, Gas, Endreinigung. Beim Eigner (oder Charterer) bleiben die Kosten des Schiffs selbst: Versicherung, Wartung, Reparaturen, Charterpreis — sie fallen unabhängig von dieser Crew an. Jeder selbst zahlt, was nur ihn betrifft: Anreise, Restaurantbesuche, das eigene Bier an der Hafenbar.
Grauzonen gibt es immer — das Crew-Essen am Ankunftsabend, der Skipper, der frei mitsegelt. Entscheidend ist nicht, wie ihr diese Fälle regelt, sondern dass ihr sie vor dem Törn ausgesprochen habt.
Zwei Modelle: Einlage oder Spitzabrechnung
Modell 1 — die klassische Einlage: Jeder zahlt zu Beginn denselben Betrag ein (auf einer einwöchigen Mittelmeer-Charter meist 100 bis 150 Euro), einer verwaltet das Kuvert, am Ende wird der Rest zurückgezahlt oder nachgeschossen. Einfach, bewährt — aber einer trägt das Kuvert-Risiko, und bezahlt wird heute ohnehin meist mit Karte.
Modell 2 — die Spitzabrechnung: Jeder zahlt unterwegs, was gerade anfällt (einer den Diesel, die nächste den Großeinkauf), alles wird notiert und am Ende gegeneinander verrechnet. Fairer und ohne Bargeld-Kuvert — aber nur so gut wie die Disziplin beim Notieren. Ein Beleg, der nicht erfasst wird, ist verschenktes Geld.
Beispielrechnung
Vier Personen, eine Woche. Anna zahlt den Diesel (120 €) und zwei Häfen (180 €), Ben den Großeinkauf (240 €), Carla Gas und Kurtaxe (60 €), David nichts. Gesamt: 600 €, Anteil pro Kopf: 150 €. Anna hat 300 € ausgelegt und bekommt 150 € zurück, Ben ± 90 €, Carla schuldet 90 €, David 150 €. Wichtig: Es genügt, wenn Carla und David direkt an Anna und Ben zahlen — niemand muss „über die Kasse" umbuchen. Mit Teilbeträgen, unterschiedlichen Aufteilungen (das Skipper-Essen zahlen nur drei) und Fremdwährung wird genau diese Rechnung schnell unübersichtlich — das ist der Punkt, an dem eine Papierliste kippt.
Sonderfälle, die ihr vorher klären solltet
Segelt der Skipper frei mit — zahlt er in die Bordkasse ein oder ist er von ihr befreit? Steigt jemand nur für ein halbes Törn zu — zählt er halb? Werden Ausgaben in Landeswährung zum Tageskurs oder pauschal umgerechnet? Und: Wer nicht beim gemeinsamen Essen dabei war, zahlt nicht mit — oder doch, weil die Kasse solidarisch ist? Für all das gibt es keine „richtige" Antwort, nur eine vorher vereinbarte.
Digital statt Kuvert
In BordOps ist die Bordkasse eingebaut: Jede Ausgabe wird mit Betrag, Währung und Kategorie erfasst und den Beteiligten zugeordnet — auch ungleich verteilt, wenn nur ein Teil der Crew beteiligt war. Fremdwährungen rechnet das System automatisch um, Wartungskosten lassen sich direkt aus dem Wartungsplan in die Kasse buchen, und am Ende steht für jeden ein Saldo mit dem kürzesten Ausgleichsweg. Die Crew sieht jederzeit den Stand — Transparenz ist die beste Streitvermeidung.
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